Das Miteinander an der IGS Embsen


Die Planungsgruppe der Integrierten Gesamtschule Embsen hat sich während der Sitzung vom 18.04.2012 nach einer intensiven Diskussion darauf verständigt, sich mit den Schülerinnen und Schülern unserer Schule zu duzen und sich von ihnen mit dem Vornamen ansprechen zu lassen.
Im fünften Jahrgang bringen viele Schülerinnen und Schüler einen unverkrampften Umgang mit den Lehrkräften der Grundschulen mit, ein „Du, Frau/ Herr XY“ ist für sie normal. Hier knüpfen wir an.
Wir möchten eine Schule, in der man einander mit Respekt begegnet, in der Toleranz und Solidarität unter den Schülerinnen und Schülern keine Fremdworte sind, in der Selbstständigkeit und Individualität gelehrt werden, das aber nie auf Kosten des oder der anderen.
Die Organisation unserer IGS unterscheidet sich von der Organisation anderer Schulen im Landkreis Lüneburg. Die Schülerinnen und Schüler werden in Tischgruppen organisiert sein, im projektorientierten Arbeiten (PORTA) an einzelnen aus dem Unterricht erwachsenden Projekten arbeiten und mit den Kolleginnen und Kollegen Schule im Bereich der Ganztagsschule den Lernort zu einem Lebensort umgestalten.
Bei den Überlegungen zur Umsetzung unserer Vision in eine Konzeption, stießen wir fast als erstes auf die Thematik des Duzens. Warum? Wir möchten eine Begegnung und ein Miteinander zwischen uns und den Schülern, das ebenfalls von den oben genannten Attributen geprägt ist, ein Miteinander, bei dem sich die Schüler sowohl ernst als auch angenommen fühlen.
Während unserer Suche landeten wir schnell beim PISA-Gewinner Schweden, an dem sich übrigens auch die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen ein Beispiel genommen hat. Wir lasen uns in die Thematik ein und stellten schnell fest, dass vieles aus dem schwedischen System auch auf Deutschland und auch auf unsere Schule zu übertragen ist - angefangen mit dem Duzen. Die Schulen dort sind von einem Klima des Respektes und der Achtung geprägt - eben auch, weil man sich auf Augenhöhe gegenübersteht, weil man flache Hierarchien nicht nur predigt, sondern lebt. Wir sehen uns zudem bestätigt durch die Geschäftspolitik vieler Firmen, die in ihren Betrieben das ‚Du‘ als Anrede für einen kollegialen Umgang auch im deutschen Sprachraum bis in die Geschäftführungsetage eingeführt haben. Anzuführen sind hier an erster Stelle die skandinavischen Firmen und die Firmen der so genannten ‚New economy‘.
Wir werden den Lernenden im Unterricht als Lernbegleiter zur Seite stehen und in alltäglichen Situationen mit ihnen zusammen agieren und lernen. Dies sind Situationen, in denen ein ‚Du‘ im Sinne des kollegialen Du den Umgang vereinfacht, hierzu zählen u.a. der gemeinschaftliche Start in den Tag (OAse, Offener Anfang), die gemeinsamen Frühstücks- und Mittagspausen mit aktiver Pausengestaltung, die Schulversammlungen und die Angebote im Rahmen des Ganztags, in denen wir uns mit den Lernenden in z. B. Arbeitsgemeinschaften erproben werden, während derer auch die Lehrkräfte zu Lernenden werden. Die Folge ist ein völlig anderer Arbeitsstil in einer Atmosphäre, die von einem freien, unverkrampften Umgang und trotzdem von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Unsere Schülerinnen und Schüler werden uns als fachkompetent und hilfreich in ihrem Lernprozess erleben. Ein ‚Sie‘ muss dann nicht mehr nötig sein, um die Achtung der Schülerinnen und Schüler den Lehrkräften gegenüber einzufordern. Diese Achtung sollte entstehen aus dem guten Miteinander.
Somit schaffen wir eine Atmosphäre, die angstfreies Lernen, wie wir es uns wünschen, erst möglich macht. Der sprachliche Respekt auf Augenhöhe geht dem gelebten im Schulalltag voraus, somit werden eine schnelle Integration in unsere Schule und die Schaffung eines hohen Identifikationsgrades (‚Wir-Gefühl‘) gefördert.
Uns ist bewusst, einen Schritt zu machen, der im näheren Umfeld der Schule evtl. zu Unverständnis und Irritationen führen kann und der nicht wie im städtischen und studentischen Umfeld (z. B. Göttingen oder Hannover) als normal angesehen wird. Wir sind uns aber sicher, dass die Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule die Kulturtechnik ‚Siezen‘ anwenden werden können. Wir gehen  davon aus, die Vorteile im Gesamtbild unserer pädagogischen Konzeption des gegenseitigen respektvollen Umgangs miteinander, transparent machen zu können, scheuen nicht die offene Diskussion und werden die ‚Du-Frage‘ regelmäßig evaluieren.